Endlich los lassen…

Ich habe mich umgesehen in meinem Leben, im Jetzt und Hier, und habe alle Steine umgedreht, die mir im Weg liegen, um zu sehen, was wirklich dahinter steht. Mir ist aufgefallen, dass vor allem die Dinge weh tun, die einmal waren und die man nicht mehr zurück bekommt… und vielleicht tun sie deshalb so weh, weil man sich nicht eingestehen kann, dass sie einfach nie wirklich zu einem gehörten, auch wenn man es noch so sehr wollte. Man hat versucht, sich dem irgendwie anzupassen, sich eine Form zu geben, von der man glaubte, dass man so ein Teil davon werden würde…

Und etwas in „man“-Form zu schreiben, ist dabei auch viel einfacher, weil andere angesprochen werden… doch woher will ich wissen, dass sich andere darin wiederfinden? Es ist doch das, was ich wahrnehme, nicht wahr?

ICH habe versucht, mir eine passende Form zu geben und musste dabei immer wieder feststellen, dass ich unheimlich flexibel bin… so viele Verkleidungen, so viele Quälereien dafür… dafür, dass ich letztendlich doch nie geblieben bin. Und ich sage es ganz bewusst: dass ICH NIE geblieben bin! … ich kann noch so oft sagen, dass andere mich gehen ließen … da wo es am meisten schmerzt, auch nach etlicher Zeit, da habe ich mich auch davon gestohlen und zugelassen, dass ich aus dem Gesamtbild verloren ging.

Aber wenn ich mir doch so viele Formen gebe, ist es da verwunderlich, dass ich nirgends hineinpasse? Wenn ein Puzzle-teil immer wieder gestutzt wird, wie viel bleibt am Ende davon übrig…?

Es geht nicht darum, immer so zu bleiben, wie man gerade ist… und ja, hier passt die Bezeichnung „man“… Veränderungen können Lebenselixiere sein und von unheimlicher Bedeutung… aber doch sicherlich nur bei Veränderungen, die Entwicklung bedeuten? Und nicht Verleugnung, oder Missachtung des Selbst, oder sonst irgend ein negativer Aspekt…?

Ja, es gibt sie, die Menschen, die mit ihrer bloßen Erinnerung an sie, so sehr schmerzen, dass es den Wunsch erweckt, wieder dahin zurückzukehren… und hätte ich eine gute Fee bei mir, dann wäre einer meiner Wünsche auch, nochmals ein paar Tage in diesem alten Muster zu leben. Raus aus Routine, raus aus Alltag…rein ins Abenteuer und in das Nicht-Wissen, was als nächstes passieren könnte… Spannung… Leidenschaft… und ja, auch Enttäuschung, die runterreißt und plötzlich wieder aufrafft, weil sie will, dass man sie weiter gibt…
Ich denke da ganz besonders an U., der keinen Schritt in Richtung Abbruch tat, ehe ich ihn nicht dazu veranlasste und jetzt sitze ich eben da und verfluche diese Entscheidung meinerseits, und dass es ihm herzlichst egal ist, dass es mich noch gibt, nur eben außerhalb seines Lebens. Ich vermisse ihn… es fehlt mir, mit ihm zu tanzen und zu trinken, mit ihm auf Partys diese Gespräche zu führen und sein Lächeln live zu sehen. Mir fehlt dieser Mensch, der versuchte, mich irgendwie aus der Reserve zu locken und meine Leidenschaft zu wecken… ich glaube, er wird mir noch sehr lange fehlen und ich werde nicht die letzte Träne ihm nachgeweint haben … wie sagt man „Lebe wohl“ zu jemanden, der längst gegangen ist?
Doch auch für ihn presste ich mich in eine Form, in die ich eigentlich nicht gehörte… nicht weil er es so verlangte oder es suggerierte, sondern weil ich es so entschied… weil ICH das Gefühl hatte, zu langweilig zu sein… weil ICH glaubte, so wie ich bin, nicht gemocht zu werden… weil ICH glaubte, es sei Gesetz, immer so zu sein, wie mein Gegenüber, um ja nicht in Kritik zu geraten…

Ich habe nie erkannt, wie falsch das ist… zu mindest nicht, wie falsch das für jegliche Beziehungen ist… pures Gift… gibt man so einer Liebe, einer Freundschaft, einer Verwandtschaft, nicht von Beginn an die Todesspritze? Formen sind nicht dauerhaft haltbar… sie sind schwer… deshalb haben Lügen auch kurze Beine… vielleicht gibt es Menschen, die diese Last tragen können… doch die Frage ist nicht, was andere können… die Frage ist, was will ICH in MEINEM Leben?

WAS WILLST DU?

„Familie“

Es gibt kein Ich ohne euch und jeder von uns ist ein Abbild des anderen, weil wir uns gegenseitig prägten. Wir haben viel gelernt, aber wohl nie genug voneinander. Wir leben das Leben weiter genau so, wie wir es erfahren haben. Aber wir lernen nicht daraus. Wir belügen uns weiter, weil wir es anders nicht kennen, weil wir Angst haben, vor den Bewertungen anderer und am meisten vor denen, uns selbst gegenüber.

Es ist immer noch ein muss, uns zu umarmen, an diesen Tagen, die emotionsgeladen sind, weil wir dann wieder die Kinder sind. Und sitzen wir dann in unserem Kämmerlein, verfluchen wir all die Lügen, die wir nicht in der Lage sind, uns gegenseitig zu kommunizieren…
Und dann sitzen wir da und verurteilen… während wir dennoch versuchen, die Erwartungen bestmöglich zu erfüllen.

Deutlich merkbar ist jedoch, dass die Wichtigkeit bei manchen höher ist und die, die nicht offen legen, gehen unter, weil sie nicht nach außen schreien. Und das sind die, deren Urteil längst geschrieben, weil sie einfach nur dem entfliehen wollen. Habt ihr das nie bemerkt?

Ich hasse euch, weil ich euch so liebe und ihr aus mir gemacht habt, dass ich nicht ehrlich sein darf…denn Ehrlichkeit bedeutet Ausschluss… dabei seid ihr doch das Einzige, was ich hab… weil es kein Ich gibt ohne euch und weil ich auch nur ein Abbild bin von dessen, was ihr seid und aus dem, wie wir uns gegenseitig prägten…

„in einer Beziehung mit…“

Seit zwei Tagen spürt sie nun diesen unterschwelligen Schmerz, den sie unterdrückt, damit ihr Alltag funktioniert. Nur in diesen kurzen Momenten, in denen sie mal allein ist, lässt sie ihn zu und spürt ihm nach. Sie erforscht in diesen wenigen Minuten, wieso es ihr Herz so trifft. Vielleicht weil es so unverhofft kam und sie nicht damit rechnete? Sie hatte diese Phantasien, die sie aus der Routine holten und in denen sie wieder Leidenschaft spürte… sich selbst begehrenswert vorkam… aber jetzt hat sich alles geändert… mit diesem neuen Status kann sie auch nicht mehr in ihre Gedanken eintauchen und nicht mehr hoffen, dass er vielleicht doch nicht so weit weg ist.

Durch die Tür dringt Kinderlachen und eine freudige Männerstimme… Kopf umschalten, auf Durchzug… alles OK … sie hat kein Anrecht auf diese Gefühle… bitte Lächeln…!

Verloren gegangen…

Haben sich die Zeiten so geändert? Oder bin ich einfach irgendwo stehen geblieben, während alle anderen weiter liefen? Wann habe ich so den Anschluss verloren? Hatte ich überhaupt jemals Anschluss?

Über manch einen Schritt in meinem Leben habe ich mich so sehr gefreut, weil er mir so riesig erschien. Aber jedes Mal bin ich wieder an den Punkt angekommen, an dem ich bemerkte, dass er nicht wirklich von Bedeutung war… plötzlich war dieser für mich wichtige Schritt nur noch ein Tropfen auf dem heißen Stein, weil alle anderen bereits weiter waren… hatte ich endlich das Abi, waren die anderen schon mit ihrem Studium fertig…feierte ich mein erstes gelungenes Jahr an der Uni, saßen alle anderen schon fest im Sattel eines Jobs, hatte ich endlich das lang ersehnte Kind, waren alle anderen bereits das zweite Mal schwanger… und während ich mich freue, nach einem halben Jahr endlich mal wieder feiern gehen zu können, haben alle anderen bereits andere Pläne mit ihnen wichtigeren Menschen, als mit mir die Zeit zu teilen… ich war nie sonderlich beliebt, ich war nie jemand, der viele Menschen um sich sammelte, aber es gab immer ein oder zwei, die mich irgendwie wertschätzten. Jetzt fühle ich mich einsamer denn je… als wäre eine Mauer um mich herum, über die keiner blicken kann, um mich zu sehen. Eine Mauer, die ich mir selber schaffte? Wie werde ich sie wieder los? Es ist so unheimlich schwer, an andere heran zu kommen… ebenso wie an mich…

Es hat sich viel verändert… die Zeit, die Möglichkeiten, die Menschen um mich herum und auch ich… da ist nicht mehr viel für mich… da ist nur noch die Gewissheit der Verantwortung… keine Liebe, keine Begierde, keine Freundschaft… aber will ich nicht eigentlich mehr?

Wir sind typisch Stereotype…

Es gibt sie immer wieder, diese Vorstellungen über gewisse Typen von Menschen: der Franzose mit dem Baguette unter dem Arm, der Bayer in der Lederhose, der It’ler mit „Kellerbräune“ und dem Chips-Bauch… sind dabei wohl die harmlosesten Vorstellungen, die Betreffende trotzdem stören oder gar ärgern können. Doch es gibt Bilder über Menschen, die sie über einen Kamm scheren lassen, dass sie sich schämen, irgendwie dazuzugehören. Denken wir an jene, die abhängig sind vom Jobcenter, die Arbeitslosengeld II beziehen (ob müssen oder wollen sei dahingestellt…). Ausdrücke wie „Hartz4-TV“ oder Faulheit, fallen mir dabei sofort ein… und das nicht, weil es das ist, wie ich darüber denke, sondern viel mehr, weil es diese Worte sind, die ich von außen in Verbindung damit höre. Auf der Couch vor dem Fernseher sitzend, während rundherum der Staub sich stapelt. Zeit verstreichen lassen, die man besser nutzen könnte … Zeit, die man ja eigentlich hätte… Trägheit… alles negative Vorstellungen über „Hartz4-Empfänger“… und dann seh ich mich um… ich sehe dich an, wie du mittags 14 Uhr noch im Schlafanzug da sitzt. Du hast irgendeine Sendung angemacht, während draußen die Sonne scheint… und ich sitze gelangweilt daneben und ärgere mich, dass wir die Zeit nicht besser füllen… wir sind nicht besser als „Hartz4“. Wir haben nur Glück, keine zu sein… und dass es nicht täglich so ist… nur dann, wenn du frei hast und ich nichts geplant… wenn ich meinen Unikram beiseite gelegt hab und unser Kind noch in der Kita ist… immer dann, wenn wir Freizeit haben, egal ob mittags oder abends, oder auch mal einen ganzen Tag: wir werden Stereotypen… und dass ich das nicht mag, hab ich dir gestern gesagt. Und dann hast du heute wieder den Fernseher eingeschalten, weil ich nichts geplant habe für uns zwei… und ich… ich sitze daneben…

An meine Tochter…

…es ist nicht leicht mit dir… und es ist nicht leicht mit mir… und zwischen uns könnte es einfacher sein…
Wenn du etwas von mir hast, dann sind es die Hörner, die noch hinter deinem wunderschönem Kopf verborgen liegen! Lass sie dir niemals von jemanden stutzen… du allein solltest diejenige sein, die sie sich selbst abstößt. Lass dir niemals von jemanden sagen, wer du sein sollst! Du bist richtig so… auch wenn es mir manchmal doch etwas zu viel ist…

Doch weißt du, eigentlich kann ich dich verstehen. Es gibt so viel, dass unverständlich ist und den Kopf ganz wirr macht… Entscheidungen werden getroffen und wieder verworfen, um neue Pläne zu schmieden, die dann doch wieder in eine andere Richtung laufen. Und dann willst du etwas, das dir genommen wird, obwohl es dir direkt vor der Nase lag. Ständig musst du teilen… die Mama mit dem Papa und den Papa mit der Arbeit, die Schaukel mit den anderen Kindern, obwohl du zuerst da warst und nichts anderes dich so entspannt, die neu gewonnene Eigenschaft mit dem Smartphone und ständig heißt es: „Nein, das darf man nicht… „, auch wenn es doch eigentlich keinem weh tut, während du siehst, wie der eine den anderen verletzt, ohne dass irgendjemand etwas sagt…

Du hörst mich schimpfen, dabei bist du gerade selber absolut mit dir unzufrieden und das tut mir leid! Ich will dich eigentlich nur in den Arm nehmen, damit du weißt, ich bin immer da, wenn du mich brauchst, doch du wehrst mich ab, weil du die Berührung gerade nicht ertragen kannst, weil du eigentlich irgendetwas anderes willst, was du nicht bekommen kannst und das frustriert dich, weil du noch nicht verstehst, warum du es nicht haben kannst… du bist noch klein… du weißt nicht, dass es noch komplizierter werden wird… ich kenne diese Dinge und bin schon zu groß, um zu verstehen, dass manch eine Kleinigkeit für dich so riesengroß erscheint… dabei bist du schon so viel mehr als ich mir je zu träumen gewagt hätte… deiner Kreativität sind keine Grenzen gesetzt, Langeweile kommt bei dir nie auf… du legst dich allein ins Bett, nachdem du das Licht deiner Blumenlampe gelöscht hast und weißt ganz genau, dass du in Ruhe schlafen kannst, wenn Mama oder Papa das Zimmer verlassen und die Tür geschlossen hat, nachdem das Lied der Spieluhr verklungen und der Gute-Nacht-Kuss bei dir angekommen ist. Morgens klopfst du gegen deine Zimmertür, um preiszugeben, dass du wach bist, weil du sie noch nicht allein aufbekommst… aber diese beiden letzten Zentimeter werden sicher nicht mehr weit sein.

Mit Musik und Tanz gestaltest du dein Leben jetzt schon so voll im Takt, dass es mir manchmal den Atem verschlägt, wenn ich deinen Hüftschwung sehe. Du bist voller verrückter Ideen, die du nur preis gibst, wenn du dir sicher bist, dass die Menschen um dich herum nur Gutes im Sinn haben. Deine Beobachtungsgabe ist vollgepackt mit Neugier. Du bist ein Wunder… du bist mein Wunder!

Doch nicht alles perfekt… noch bist du nicht in der Lage, alles zu kommunizieren, was dir misfällt oder was du möchtest und ich bin oft nicht im Stande, deine Zeichen zu deuten und darauf zu reagieren… wir sind uns so ähnlich, dass es das aufeinander Prallen unserer Temperamente nicht einfach macht… ganz besonders, wenn wir nur zu zweit sind. Und in diesen Phasen, in denen du so unheimlich viel lernst, in denen du voller Ungeduld und damit einhergehend auch voller Frust bist, bin ich schnell selber noch wie ein Kind… und auch wenn ich deine Mama bin, so bin ich nie ganz erwachsen geworden und stecke selbst noch in mir fest… und dann wird es laut… von dir und von mir… und wir spielen Machtkämpfe aus… du bist klein… aber unheimlich groß im Gewinnen …

Und doch… am Ende des Tages, bevor ich mich schlafen lege, gehen meine letzten Gedanken an dich… und all meine Liebe ist bei dir und begleitet dich durch den Schlaf… bis am nächsten Tag der nächste Streit entfacht… und ja, manchmal, oder doch eigentlich öfter, da sehne ich mich in alte Zeiten, in denen ich noch ohne dich war… in denen es noch einfacher war… schlafen wann man wollte… feiern so oft es ging… Fehler begehen ohne große Verluste…
Du bist meine größte Herausforderung… du bist Verantwortung… und erst du machst mich zu einem Menschen mit Sinn und Verstand… und nur durch dich habe ich die reine Liebe erfahren… und all diese Liebe aus tiefstem Herzen geht von mir an dich…

Du bist alles für mich… du bist mein Leben!

…nur eben anderswo…

Es ist ein anderer Balkon, an einem anderen Ort, zu einer anderen Zeit, in einem scheinbar komplett anderem Leben, aber es ist immer noch das gleiche Gefühl zu ähnlichen Gedanken mit anderen Menschen.
Du spielst es ab wie in einem Film… wieder und wieder siehst du in diese Gesichter und sprichst zu ihnen die unzensierte Wahrheit. Die nimmst ihre Hände und weichst keinem Blick aus. Deine Emotionen hältst du nicht zurück. Du bist in diesem Moment der ehrlichste Mensch, wie es ihn außerhalb deiner Fantasie nicht mehr zu geben scheint. Und aus diesem Grund lässt du auch in diesem Raum kein Platz für die Entscheidung deines Gegenübers. Wünsche gehen nicht in Erfüllung, das weißt du… ganz besonders keine des Herzens… du kennst nicht ihre möglichen Reaktionen, also lässt du auch in deinen Gedanken keiner ihrer Entscheidungen zu… das musst du auch nicht… denn es tut weh… so oder so…

Und da stehst du also, auf diesem anderen Balkon, an einem anderen Ort zu einer anderen Zeit, in einem scheinbar komplett anderem Leben und spürst sie immer noch… die Sehnsucht nach dem, was war und nie wieder sein wird. In jeder einzelnen Faser deines Körpers bemerkst du, dass du alt wirst und doch immer noch auf der selben Stelle trittst… nur eben anderswo…

Wir waren Freunde…

27.05. – Hinter mir liegt das Wochenende der Erkenntnis… sie liegt schwer auf meinem Rücken, umklammert mich von hinten und lässt keinen Zweifel aus, an dem, wer ich geworden bin. Irgendwann gehörte ich mal hier her… und irgendwann scheint jetzt zu lange her… und wenn ich jetzt könnte, würde ich gehen… zu dir!
Ich sag es ganz geradeaus… wir haben es nicht ausgekostet… so fühle ich es zu mindest. Und nein, ich glaube nicht, dass irgendetwas hiervon dich noch interessiert. Das war vielleicht mal so… vielleicht war es auch gespielt… wer weiß schon von seinem Gegenüber, welche Gedanken und Gefühle wirklich in ihm vorgehen? Was ich sagte, war Echt… belogen habe ich dich nie… wobei… vielleicht nur, wenn ich sagte, ich habe keine Zeit, obwohl ich doch nur wieder allein am Tisch vor dem Bildschirm saß… nein, nicht ganz allein… denn meist stand der Alkohol ja neben mir und dann hatte ich nicht mehr nur einen mitlaufen… doch das was ich eigentlich meine, ist, dass ich dich immer wissen lies, was ich wollte. Ich wollte dich… nicht ganz… aber so halb, weil mir nicht alles gefiel, was in deinem Leben tobte. Ich wollte dir nah sein und das Gefühl haben, dass du mich doch auch irgendwie brauchst… und zwischendurch dann meine Ruhe, meine Zeit für mich, um Herauszufinden, was ich denn nun weiterhin will. Das ist bei mir nie so ganz klar, wenn etwas beständig ist… wer will schon Beständigkeit, wenn er das Abenteuer sucht, aber bitte nicht so weit auf dem Meer, denn ich kann nicht gut schwimmen…
Und du? Was wolltest du?… das war mir nie ganz klar… du erzähltest ständig von den Frauen um dich herum, nur dass du dich nicht schnell verliebst… aber wenn, dann tust du alles für sie… mit Haut und Haaren… das konnte ich mir auch gut vorstellen bei dir… kaum etwas wusste ich von einem Menschen mehr als der Gewissheit deiner Treue anderen gegenüber… nie war ich überzeugter von der Ehrlichkeit meines Gegenüber als von deiner. Doch deine Angst, andere zu verletzen und zu enttäuschen, brachte dich immer wieder dazu, dich jedem anzunehmen… gerade erscheint mir dieser Fakt und mein unbrechbarer Glaube an deine Loyalität wie ein Widerspruch… und doch fühlt es sich ganz genau so an.

Wir waren Freunde… du und ich… wir telefonierten und trafen uns regelmäßig… und immer wieder musstest du mir mitteilen, dass du auf der Party erneut 5 neue Nummern zugesteckt bekommen hast… drei davon haben dich eigentlich nicht interessiert, aber du wolltest sie eben nicht enttäuschen… und dann saßen wir auf den Stufen vor dem Haus, in dem meine Wohnung ganz oben unter dem Dach lag. Es war mittlerweile schon wieder früh… die Sonntag Morgensonne schien jungfräulich auf uns herab und erstrahlte die Pflastersteine vor unseren Füßen. Ich war müde von der langen Nacht und du redetest von vielen Dingen, die ich heute nicht mehr weiß… aber ich weiß noch den Klang deiner Stimme… so warm, so mitfühlend, so sanft… es war das erste Mal, dass wir so lange hier saßen… und es war das erste Mal, dass du mich zum Abschied in beide Arme nahmst, mich festhieltst und wir eine gefühlte Ewigkeit so dort standen… mein Wunsch war, dass du mit nach oben kommst…damals war ich noch nicht so ehrlich… du wusstest zu dem Zeitpunkt noch nicht, dass dein erster Blick damals auf der Terrasse schon alles in mir ins wanken brachte und es bis dato auch noch nicht wieder in Waage war… du gingst … und ich auch… doch wir wussten ja, wir würden uns wiedersehen. Und das war gut so, wie es war… und eigentlich sollte es nicht anders sein, denn es fühlte sich genauso richtig an und es war schön, zu fühlen … so zu fühlen… wenngleich es an den einsamen Abenden auch schmerzte… es war schön einfach…

Ein anderer Abend, ein anderes Szenario… ähnliche Bedingungen… und diesmal wolltest du nicht nach Haus… wir hatten getanzt… das erste Mal zusammen, auf dieser Party, auf der wir mit Freunden waren, die plötzlich nicht mehr auffindbar… wir hatten ja uns… und auf meine Frage, wo du denn schlafen willst – ob im Bett oder auf der Couch – kam deine Antwort:“Hier schläft niemand auf der Couch“ in Begleitung mit einem stürmischen Kuss und dem Fall auf das Bett und dann noch die Worte: „Ich find dich so heiß“… ab jetzt wankte nichts mehr in mir – ab jetzt fiel ich – ich wusste damals nur noch nicht wohin, denn am nächsten Morgen erwachten wir etwas beschämt, obwohl eigentlich nicht viel passiert war… das wolltest du nicht, weil du Angst hattest, dass alles so ungeklärt war. So ganz verstand ich das nicht – war es bei anderen doch nicht anders.
Ich dachte nicht, dass sich etwas geändert hätte, aber du redetest plötzlich um etwas herum, dessen Punkt ich genau wusste, von dem ich aber gar nicht dachte, dass wir ihn jetzt mit dieser Nacht setzen würden… denn es war Musik im Spiel und es begleitete uns der Alkohol und da sprudelten die Emotionen hoch… und heute war alles wieder im Lot… da war auch kein Wanken mehr, denn ich spürte noch deine Lippen auf meinen und danach hatte ich mich gesehnt und ich sagte dir: „Hey alles gut… wir hatten etwas Spaß und es war schön… und jetzt sind wir noch Freunde…“ Ich wollte gar nicht mehr… Bedürfnisse befriedigt… und du gingst… und ich blieb… denn wir wussten ja, wir würden uns wiedersehen. Und das war gut so wie es war… und eigentlich sollte es nicht anders sein, denn es fühlte sich genauso richtig an und es war schön, zu fühlen… so zu fühlen… wenngleich es an den einsamen Abenden auch schmerzte… und jetzt plötzlich sogar auch etwas mehr… denn es war gar nicht mehr so schön einfach…

Es änderte sich nichts… nicht sichtlich… nur ich änderte mich in mir…ich hörte mir deine Geschichten über deine Eroberungen an, doch es störte mich… du erzähltest von der Suche nach der Liebe und im gleichen Atemzug erörtertest du mir, dass du mich näher kennen lernen willst und wir dann ja sehen, was aus uns wird… ich stimmte dir zu, weil ich es auch so wollte… weil du mir fehltest, wenn du nicht da warst und dann sehnte ich mich nach Ruhe, wenn wir uns öfter sahen… die Emotionen waren aus dem Sack und es meldete sich die unbeständige Beständigkeit – auch wenn das wahrscheinlich nicht so viel Sinn ergibt… und letztendlich ließen wir ein „uns“ aus… da waren unüberwindbare Unterschiede… dein großes Ego und gleichzeitig großes Herz hingen an vielen Masten der Stadt… und ich – die kleine blaue Blume, die zwischen den Pflastersteinen herauslugte, sich gen der Sonntag Morgensonne reckte, vor den Stufen auf denen wir einst saßen… wir gehörten nicht zusammen – nicht so –

Wir waren Freunde… du und ich… wir telefonierten und trafen uns regelmäßig… und immer wieder musstest du mir mitteilen, dass du auf der Party erneut 5 neue Nummern zugesteckt bekommen hast… drei davon haben dich eigentlich nicht interessiert, aber du wolltest sie eben nicht enttäuschen…

Und doch war alles anders… denn auch wenn du der Sonne näher warst als ich, spürten wir immer wieder dieses Verlangen… du nach mir und vielmehr noch ich nach dir… und du wann immer sich die Möglichkeit bot, dann kamst du zu mir ins Bett, um mein erneutes Wanken wieder zu Fall zu bringen … ich zeigte dir deutlich, was ich will… und du sagtest mir, was du willst… doch keiner von uns ließ es je ganz zu… „Wir sind doch Freunde…“, waren die Worte, die in meinem Kopf zurück blieben, als du mich nach der letzten gemeinsamen Party nicht mehr bis zur Tür brachtest, die gleich um die Ecke lag… und es tat weh… doch das sagte ich dir nicht mehr… ich sagte dir gar nichts mehr… du gingst… und ich ging auch… und wir wussten nicht, dass wir uns nicht mehr wiedersehen… nicht mehr so…

Alles war anders… wir kennen uns nicht mehr… ich dachte, es sei einfach vorbei, trotz dass ich dich schrecklich vermisste… doch hinter mir liegt das Wochenende der Erkenntnis… sie liegt schwer auf meinem Rücken, umklammert mich von hinten und lässt keinen Zweifel aus, an dem, wer ich geworden bin. Irgendwann gehörte ich mal hier her… und irgendwann scheint jetzt zu lange her… und wenn ich jetzt könnte, würde ich gehen… zu dir – um zu beenden, was du begonnen hast…

Wenn ich jetzt könnte… wäre es doch noch nicht zu spät!

Was wäre wenn…

…wir einfach mal wieder beginnen würden, mehr zu sein, wer wir sind, anstatt die, die wir sein sollen?
…wenn wir einfach im Spiegel mal wieder uns sehen würden, anstatt uns dafür zu verfluchen, dass wir nicht so sind, wie andere uns haben wollen?
…wir annehmen würden, wie andere sind, ohne zu verurteilen, weil sie nicht so sind, wie wir denken, dass es besser wäre?

Ist es üblich für den Menschen, sein Gegenüber irgendwie formen zu wollen oder ist das nur ein Konstrukt aus der so gewachsenen Gesellschaft? Strukturen verfolgen uns und wir sehen keine Möglichkeit, ihr zu entkommen… also gibt es zwei Möglichkeiten: wir arbeiten, bis nichts mehr geht und wundern uns, weil unser Körper nicht mehr die alte gewohnte Energie aufbringen kann, wie noch im vorletzten Jahr. Und wenn nichts mehr geht, dann verordnet uns der Arzt ein halbes Jahr Auszeit… um dann wieder eingegliedert zu werden… doch worin?… in die alte Ordnung, die uns erst in die Depression führte? Na herzlichen Glückwunsch…!
Und die zweite Möglichkeit: wir arbeiten gar nicht und fühlen uns entweder unendlich schlecht dabei, weil wir uns ständig rechtfertigen müssen oder begeben uns in die Isolation und fühlen uns ausgeschlossen, weil wir nicht dazugehören… und müssen auch hier mit Konsequenzen fürchten…in allen Richtungen…

Vielleicht gehörst du ja auch zu den wenigen, die sich glücklich schätzen mit ihrem Dasein… dann kann ich dich nur beglückwünschen und hoffe für dich, dass es sich in den nächsten Jahren auch noch richtig für dich anfühlt. Und ich hoffe noch mehr, dass du nicht zu der Mehrheit gehörst, die die Zukunft auf Geld aufbaut und darauf, alles zu zerstören, was uns umgibt…

Vielleicht fragst du dich, wohin ich gehöre?… nicht dass ich denke, dass es dich wirklich interessiert, aber wahrscheinlich fühlst du dich in irgend einer meiner Worte angegriffen und willst daher, dass ich Position beziehe…
Ich will anders sein… ich will raus aus dem Hamsterrad… ich hätte so viel zu tun und komme nicht weiter, weil der Druck mir die Luft zu atmen nimmt, also tu ich so als gäbe es ihn nicht und erfinde unendlich viele Ausflüchte, um zu erklären, dass ich nicht weiterkomme…….

…doch wenn ich Ehrlichkeit erwarte, sollte ich sie selber auch aussprechen… ICH WILL ES NICHT… ES IST MIR HERZLICHST EGAL… es ist mir egal, welche Qualifikation auf einem Blatt Papier stehen, weil sie eigentlich nichts zu sagen haben, außer dass irgendjemand mich mal als gut empfunden hat für irgendetwas, auf das ich in diesem spezielle Fall geprüft worden bin… dass das nicht immer was zu sagen hat, zeigen mir mindestens die Verkehrsteilnehmer auf den Straßen, oder manch ein Eid geschworener Arzt oder ein Politiker, der eigentlich für die Zukunft steht, aber die der nächsten Generation mit Liebe weiter zerstört…

Was wäre also, wenn ich „NEIN“ sage?… einen Schritt mit Vorbild vorangehe?… was wäre, wenn ich tun und lassen würde, was mich wirklich glücklich macht?… es wäre nicht einfacher… es wäre schwieriger… aber es wäre LEBEN … es wäre MEIN LEBEN!